Warum wir zu früh einlenken und was wir dagegen tun können – Teil 2

Im zweiten Teil der Serie betrachten wir weitere Punkte die uns zum frühen Einlenken bewegen.

Im ersten Teil haben wir festgestellt, dass zu hohe Anfahrtsgeschwindigkeit auf eine Kurve uns verleitet zu früh einzulenken. In diesem Teil befassen wir uns mit den verbleibenden zwei Punkten auf meiner persönlichen Liste:

 

  • Optischer Trugschluss, dass wir durch das frühe Einlenken mehr Sicherheit erlangen da mehr Platz vorhanden ist.
  • Träges bzw. zögerliches Einlenken zwingt uns zum frühen Einlenken.

Die optische „NoGo“ Zone

Die Optik bzw. die Vision die wir während dem Fahren haben, beeinflusst unser Handeln maßgeblich. Ein Sicherheitsabstand zum Fahrbahnrand in Linkskurven und möglichst viel Auslaufzone in Rechtskurven gaukelt uns sicheres Fahren vor. Im Bestreben diese „NoGo“ Zone zu meiden und gepaart mit einer Geschwindigkeit nahe an unserem Maximum (siehe Teil 1) ist die einzig verbleibende Lösung für uns, früher einzulenken als es sinnvoll ist. Auch hier wird uns eine anfängliche Reduktion der Anfahrtsgeschwindigkeit die Wahrheit erkennen lassen. Wir sprechen von wenigen Metern (in der Regel 1-2 Meter) die wir den Einlenkpunkt nach hinten verlegen wollen. Unseren Abstand zum Fahrbahnrand oder der Fahrbahnmitte beeinflussen wir dadurch nicht, da wir ja dem Straßenverlauf folgen.

Träges Einlenken

Oft ist es die Unwissenheit wie denn ein Motorrad in Schräglage gebracht wird, die dazu führt das wir viel Wegstrecke benötigen um die passende Schräglage für die anstehende Kurve zu erreichen. Vielen Fahrern ist immernoch nicht bekannt, dass ein entschlossener / bewusster Lenkimpuls in die entgegengesetzte Richtung des Kurvenverlaufs das Motorrad dynamisch in die gewünschte Schräglage befördert.

Manchen ist dieses Verhalten bewusst, sie setzen den Lenkimpuls aber zu zaghaft. Ein entschlossener (nicht kräftig, nicht heftig) Druck am kurveninneren Lenkerende reicht aus.

Wenn unser Ziel ist den Einlenkpunkt möglichst weit nach Hinten zu verschieben, geht damit einher, dass wir weniger Wegstrecke für den eigentlichen Einlenkvorgang zur Verfügung haben. Entsprechend gewinnt der bewusste Einsatz des „Gegenlenkens“ an Gewicht. Wer später einlenken will muss entschlossen handeln um die Wegstrecke bis zum erreichen der notwendigen Schräglage zu verkürzen. Wer hier zögert, steht auf der falschen Fahrbahnseite oder im Graben.

Der optimale Kurvenverlauf

Lasst uns nochmal alle drei Punkte im Schnelldurchlauf betrachten.

  1. Unser Blick sucht markante Punkte zum Einlenken und geht dann weiter voraus um den Scheitelpunkt zu suchen. Sobald dieser gefunden ist, wird der Kurvenausgang angepeilt. Damit schaffen wir uns Referenzpunkte und Raum. Der Blick führt, dass Motorrad folgt nach.
  2. Zu Übungszwecken die Geschwindigkeit für die Anfahrt auf eine Kurve reduzieren. Das gibt uns Zeit um die Situation genauer abzuschätzen und zu reflektieren.
  3. Am Einlenkpunkt einen entschlossenen Lenkimpuls geben. Das Motorrad zum Scheitelpunkt steuern. Spätestens hier sollte der Blick weiter voraus zum Kurvenausgang bzw. dem weiteren Kurvenverlauf gehen.

 

Euer Philip

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