Regentanz – Warum wir im Regen zu schlechteren Fahrern werden

Motorradfahren im RegenDie Mehrzahl an Motorradfahrern fährt ungern im Regen. Mich eingeschlossen. Das liegt nicht nur daran, dass nass bis auf die Knochen zu sein ein ungemütlicher Zustand ist, sondern auch, weil wir durch unbewusstes Fehlverhalten, das Vertrauen verlieren. Doch warum ist das so und was können wir dagegen tun?

 

Es ist verblüffend, was ein paar Tropfen auf dem Visier für einen psychologischen Effekt haben können. Sofort fallen wir in intuitive Verhaltenmuster, die das Fahren im Regen für uns erträglicher machen sollen. In Wahrheit sind die meisten davon jedoch kontraproduktiv.

In der Tat können wir bei nassem Asphalt nicht so hohe Schräglagen bei gleicher Geschwindigkeit fahren, wie es auf trockener Fahrbahn der Fall wäre. Durch mangelnde Praxis / Erfahrung fehlt es uns an einem vertrauten Gefühl welche Schräglage im Nassen denn gefahrlos fahren können. Deshalb schalten wir erstmal in den „Da kann nichts schiefgehen“ Modus und versuchen die Schräglage aufs Nötigste zu reduzieren. Das klingt nach keinem schlechten Plan, nur an der Ausführung hapert es allzuoft.

Gehen wir das mal in Gedanken durch. Die Straße ist nass und vor uns ist eine Kurve. Wenige Meter vor dem Einlenken stellen wir fest, dass es ja wirklich nass ist und wir den Kurvenverlauf nicht 100% überblicken können. Um die Geschwindigkeit wirklich zu reduzieren, müssten wir bremsen. Davor haben wir aber mindestens genausoviel Respekt wie vor zu hoher Schräglage im Nassen. Also bremsen wir ein bisschen. Nur ganz wenig. Und stellen fest, dass wir eigentlich immernoch zu schnell sind um uns wohlzufühlen. Na gut, hilft ja nichts. Dann fahren wir eben die Kurve. Wir wollen keine hohe Schräglage, also lenken wir tendenziell im Nassen zu früh ein (was im Trockenen schon für viele ein echtes Problem ist). In der ersten Häflte der Kurve geht unser Plan voll auf und wir feiern und schon als Regengötter. Doch dann kommt der zweite Teil der Kurve. Durch das zu frühe Einlenken, benötigen wir eine Linienkorrektur um hinteren Drittel der Kurve um nicht auf die Gegenfahrbahn zu gelangen.Diese Linienkorrektur verlangt abermals eine höhere Schräglage als wir sie gewillt sind zu fahren. In vielen Fällen wird diese Linienkorrektur wieder nicht durchgeführt und wir finden uns flugs auf der Gegenfahrbahn oder im Straßengraben weil wir nicht in der Lage sind die Hemmschwelle einer höheren Schräglage zu überschreiten.

Tatsächlich nimmt der Reibungskoeffizient bei normalen Straßenbelag um ca. 35% ab wenn die Fahrbahn nass ist. Da bleibt uns also noch eine ganze Menge an Reserven übrig. Leider können wir im Straßenverkehr nicht von einem gleichmäßig guten Belag ausgehen und müssen mit Gullideckeln, Bitumenstreifen, Fahrbahnmarkierungen und Ähnlichem rechnen. Es hilft uns also tatsächlich nur, alle Eventualitäten einzubeziehen und den Faktor zu verändern, den ich weiter oben schon beiläufig erwähnt habe. Die Geschwindigkeit. Wenn wir diese angemessen senken, fällt es unserem Kopf leicht die ausreichende Schräglage zu fahren und wir sind wieder Herr der Kurve.

Sollten wir uns doch wieder in der Situation finden, dass wir eine zu hohe Geschwindigkeit für die kommende Kurve gewählt haben, empfiehlt es sich, die Hinterradbremse mehr mit einzubeziehen als es bei Trockenem notwendig wäre. Für unseren Kopf ist die Hürde zwar hoch, die Kurve hier zu hinterschneiden ist aber dennoch die bessere Wahl. Damit bleibt mehr Zeit um die Geschwindigkeit weiter zu reduzieren sollte das notwendig sein und am Kurvenausgang laufen wir nicht Gefahr auf die Gegenspur zu gelangen. Ein Bremsmanöver in Schräglage bei Nässe sollte ebenfalls vermehrt die Hinterradbremse mit einbeziehen. Da ein blockiertes Vorderrad in Schräglage fast unwiderruflich zum Sturz führt und ein Rad auf nasser Fahrbahn eben leichter blockiert.

Alle Tipps beim Regenfahren zusammengefasst:

  • Bewusst die Kurve hinterschneiden / spät einlenken
  • Starke Bremsmanöver (vor allem in Schräglage) vermeiden
  • Sanft mit dem Gas umgehen
  • Nach Fahrbahnänderungen (Bitumen, Gullideckel etc.) ausschau halten und möglichst mit wenig Schräglage überfahren

 

Philip

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