Gebrauchte Gummis – Warum man Reifen eine zweite Chance geben kann

Gebrauchter Slick

Soll ich wirklich einen gebrauchten Reifen kaufen und fahren? Woher soll ich wissen ob der noch was taugt und ich für mein Geld noch angemessene Qualität bekomme? Hier findet ihr ein paar Tipps, die euch bei der Entscheidung Pro oder Contra gebrauchter Motorradreifen helfen.

Laufbild

Ein gebrauchter Reifen sollte ein gleichmäßiges „schönes“ Laufbild besitzen. Also gleichsam auf beiden Flanken abgefahren sein, nirgends aufgerissen bzw. beschädigt und ohne „Kante“ beim Übergang auf die Flanke haben. Ein Bild in Fahrtrichtung von dem Reifen zeigt euch hier alles, was ihr wissen müsst. Eine Kante könnt ihr hier gut erkennen. Vor allem bei Vorderreifen kann sich eine solche Unwucht sehr unschön bemerkbar machen, da der Reifen nicht gleichmäßig in Schräglage fällt, sondern ab einer gewissen Schräglage abrupt in die Kurve kippt.

Profiltiefe

Egal für welchen Einsatzzweck, die Profiltiefe (oder Messpunkte bei Slicks) geben euch einen Anhaltspunkt wie lange ihr mit den Reifen noch Spaß haben könnt. Für Straßenreifen müsst ihr die gesetzlichen Vorschriften im Hinterkopf behalten (min. 1,6mm). Einen Reifen mit 1,7 mm zu kaufen, könnt ihr euch damit sparen. Denn kaum montiert und zweimal aus der Garage geschoben, sind die 1,6 mm erreicht und ihr könnt den Reifen gerade wieder demontieren.

Bei Slickreifen geben die Profilmesspunkte nur bedingt eine Auskunft über verbleibende Fahrleistung. Nach meiner Erfahrung, gibt es Slicks, die bis zum kompletten Verschwinden der Messpunkte gefahren werden können, andere liefern schon eine deutlich schlechtere Haftung obwohl noch 1-2 Millimeter „Restprofil“ vorhanden sind. Hier helfen eigene Erfahrungen mit dem gewünschten Fabrikat. (z.B. kann ich sagen, dass ihr Bridgestone Hinterrad-Slicks fast bis zum kompletten Verschwinden der Messpunkte fahren könnt)

Alter

Reifenhändler dürfen (entsprechende korrekte Lagerung vorausgesetzt) einen Reifen bis zu einem Alter von 5 Jahren als „Neu“ verkaufen. Das Alter jedes Reifens ist auf der Flanke eingepresst. Die sogenannte DOT Nummer (Department of Transportation Nummer) gibt uns Auskunft über die Produktionswoche und das Jahr. Eine DOT 4315 sagt uns, dass der Reifen in der 43 Kalenderwoche des Jahres 2015 produziert wurde.

Ein gebrauchter Reifen mit einem Alter von 3 Jahren kann nach meiner Erfahrung nach problemlos gefahren werden. Bis zu 5 Jahren solltet ihr genaueres über die Zeit die der Reifen montiert und gelagert war in Erfahrung bringen. Alles darüber kann gut sein, oder auch nicht. Ich würde im Zweifel hier meine Finger weglassen.

Kopfentscheidung

Fast allen Motorradfahrern sind ihre Reifen heilig. Es ist neben allen technischen Gegebenheiten eine Glaubensfrage und eine Gefühlssache welchen Reifen wir wann wie und in welcher Situation fahren. Daher ist der Kauf von gebrauchten Reifen auch zu großen Teilen eine Kopfsache. Hast du ein schlechtes Gefühl beim Kauf des Reifens, hast du ein schlechtes Gefühl beim Fahren. Keiner möchte wegen einem verschwiegenen Schaden oder Zustand später selbst auf der Nase liegen (z.B. durch falsche Lagerung). Daher der simple Ratschlag, wenn ihr ein schlechtes Gefühl habt, lasst die Finger davon. Wenn der Kopf eine Kaufentscheidung nicht mitträgt, wird er es später beim Fahren auch nicht tun.

Wo kaufen?

Abhängig von dem geplanten Einsatzzweck, könnt ihr Reifen auf unterschiedlichen Plattformen gebraucht erstehen. Das sind z.B. Motorrad Foren, Marktplätze oder letztlich das gute alte Ebay. Manchmal läuft einem hier ein wahres Schnäppchen über den Weg, ein wenig Geduld Vorausgesetzt. Da ihr in aller Regel den Verkäufer nicht persönlich kennt, spielt die „Kopfentscheidung“ natürlich eine große Rolle. Nach meiner Erfahrung solltet ihr lieblose Angebote mit gerade mal einem Satz als Produktbeschreibung und einem verwackelten Handykamerabild meiden. Achtet darauf, dass alle oben genannten Punkte zur Genüge beschrieben und ersichtlich sind und fragt im Zweifel lieber nochmal nach.

Ein weiterer Punkt den es bei allen Onlineplattformen zu beachten gilt, sind die Versandkosten. Reifen zu versenden ist vergleichsweise aufwändig und teuer. Achtet darauf, dass übertriebene Versandkosten (pro Reifen mehr als 15€) nicht einen niedrigen Kaufpreis ausgleichen sollen. Wenn ihr mehrere Reifen bei einem Anbieter kauft, achtet darauf, dass dieser einen Kombiversand anbietet. Es kommt euch teuer zu stehen, wenn ihr drei Reifen bei einer Person kauft und auf einmal 45€ Versandkosten im Raum stehen.

 

Wenn ihr alle Tipps von Oben berücksichtigt, könnt ihr mit gebrauchten Reifen lange und gut fahren. Ein wenig Geduld vorausgesetzt, könnt ihr sogar das ein oder andere wirkliche Schnäppchen machen.

Philip

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